Neuenkirchen

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Weg von Greifswald bis zur Kirche in Neuenkirchen, kurz vor dem Stettiner Hof

Quelle - Greifswald in hundert Bildern, Fotos von ca. 1890,  Fotoalbum Chr. Bernhardt

Willkommen!

Unsere Ururahnen

 

In Vorpommern ist die Funddichte historischer Artefakte nicht sehr groß. So haben Archäologen zum Beispiel erst acht Gräber gefunden. Diese wurden untersucht und auf das erste bis vierte Jahrhundert datiert. 

Vor circa 20 Jahren wurde im Gemeindegebiet ein weiterer Fund den Wissenschaftlern angezeigt. Spaziergänger aus Neuenkirchen fanden in der Wurzel eines umgestürzten Baumes einen Gegenstand, der sich später als Urne aus Keramik herausstellte. In dieser befanden sich

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Brandbestattungsurne, Archäologische Bereichte, Heft 21, 2014, S. 36. *

Brandreste einer Bestattung und weitere unvollständige Gegenstände. Sie wurden auf des beginnende 3. Jahrhundert datiert. Die Archäologen schlossen aus der Machart der Gegenstände, dass diese aus Skandinavien stammten. Es ist wohl davon auszugehen, dass die Besiedlung unserer Region in den ersten Jahrhunderten nach Christi vorwiegend von Dänemark und Schweden aus erfolgte. *

 

Nach dem 4. Jahrhundert sank die sowieso schon geringe Bevölkerungsdichte, germanische Stämme zogen sich zurück. Warum das so war, dafür gibt es keine fundierten Erkenntnisse. Ein Blick in das Wetter der damaligen Zeit könnte einen Erklärungsansatz bieten. Um 200 bis ungefähr 900 gab es in Deutschland eine Kälteperiode. Die Temperaturen sanken im Jahresdurchschnitt um 2 bis 3 Grad. Ab 700 erwärmte sich das Klima wieder. Die Völkerwanderung brachte neue Siedler in unsere Gegend, die erste Niederlassungen mit Dorfstruktur wie Damme (lateinisch Dammae, später Neuenkirchen) und Wampen (Vampand) gebildet haben könnten.

 

* Arthur Behn: Aus der Wurzel.  Ein spätkaiserliches Brandschüttungsgrab mit skandinavischem Kamm aus Neuenkirchen, Archäologische Berichte, H 21, 2014.

Neuenkirchen – Nienkerken - Damme  

 

„Nienkerken“ steht in den Procuraturbüchern der Universität Greifswald zu lesen und zwar bis 1707. In diesen handschriftlichen Unterlagen wurden die geleisteten Abgaben von Bewohner der Dörfer, die der Lehreinrichtung gehörten, mit Namen und Abgabenhöhe aufgelistet. Nach 1707 wird das Dorf in diesen Dokumenten „Neuenkirchen“ genannt. In der schwedischen Matrikelkarte von 1697 über das Dorf ist die Bezeichnung  „Nüenkerken“ zu lesen. 

 

Einen ganz anderen Namen verwendet eine in lateinischer Sprache abgefasste Schenkungsurkunde an das Kloster Eldena. Da heißt der Ort „Damme“. 1834 schreibt Julius Heinrich Biesner über die Geschichte des Klosters Eldena, die Gegend wäre um 1200 wegen der vielen Kriege wenig bewohnt: „Jenseits des Ryckflusses lagen die Güter Wampen, Ladebow, Wackerow, Leist und die Insel Koos, wüstes Land waren die Dörfer Damme (jetzt Neuenkirchen), Henekenhagen (jetzt Kieshof) und die dänische Wieck... Alles andere Land des Klosters war als öd und menschenleer zu betrachten.“ 

 

Es scheint ganz so, als  hätte die Gründung des Klosters Eldena einen unmittelbaren positiven Einfluss auf den Ort Damme genommen. Denn mit der Niederlassung der Mönche am Ryck einher ging ein großzügiger Umgang mit wüst gefallenen Orten (unbewohnt), die zu den Ländereien gehörten, die dem Kloster geschenkt wurden: Jeder, der sich hier ansiedelte, war frei von herzöglichen Abgaben und nur dem Kloster verpflichtet. In der Fachliteratur ist zu lesen, dass im Jahr ungefähr 1200 neue Einwohner im Bereich des Klosters Eldena gezählt werden. Viele neue Orte entstanden in der Folgezeit.

Tatsächlich taucht der Name des Dorfes Damme in einer Urkunde von 1248 auf. Die Eldenaer Mönche durften selbst Pastoren einsetzen. So kann es sein, dass eingewanderte Bauern aus Sachsen und Niedersachsen den leeren Ort Damme für sich entdeckten und aus Dankbarkeit sogleich eine kleine Kirche errichteten. Die ältesten Mauerteile der Neuenkirchnener Kirche sollen aus der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts stammen (siehe auch glockenverein-neuenkirchen.de). Mit dem neuen Kirchlein ist ein Name geboren "Nienkerken". In einer Urkunde von 1297 wird diese Kirche bestätigt (Nigenkerken).

Neuenkirchen im 17. Jahrhundert

Durch Edikt des Pommernherzog Bogislav XIV. kam das Dorf Neuenkirchen, wie viele andere umliegende Dörfer auch, 1633 in die Verwaltung und in das Eigentum der Universität Greifswald. Inwieweit dies unmittelbare Rechtswirkungen entfaltete und sich auf das Leben der Dörfler auswirkte, ist allerdings unklar. Zum einen erlitt der Pommernherzog einen Schlaganfall und er selbst  war handlungsunfähig, zum anderen war Greifswald seit 1631 unter schwedischer Herrschaft. Jedenfalls seit dem Westfälischen Frieden 1648 (Friede von Münster und Osnabrück) kann man wohl davon ausgehen, dass Neuenkirchen im Besitz der Universität Greifswald war. Im Procuraturregister der Universität Greifswald taucht Neuenkirchen seit 1647 regelmäßig auf. Alle Abgaben der Bauern werden in diesen Dokumenten sorgfältig aufgezählt.

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Neuenkirchen in den Schwedischen Matrikelkarten 1697

Quelle - Landesarchiv Greifswald Rep. 6a Nr. B III 36

Die weitgehende Entvölkerung auf Grund des 30 jährigen Krieges setzte sich fort im schwedisch - polisch -brandenburgischen Krieg (1656 bis 1660). Zudem wütete wohl auch hier die Pest. In der Zeit von Juni 1628 bis 1629 werden 236 Todesfälle gezählt.*

 

Im Zuge Auseinandersetzungen der unterschiedlichen Söldner Ameen wurden Häuser komplett zerstört, sogar des Wohnhaus des Pfarrers war darunter. In Ermangelung von Wohnraum fanden die Einwohner eine Zeitlang Quartier in der Kirche.

„Im Sommer 1659 marschierte der Große Kurfürst mit 18.000 Brandenburgern und kaiserlichen Soldaten gegen Greifswald heran und besetzten auch Neuenkirchen. Im Jahre 1678 schlug eine 16pfündige Kugel durch das Kirchendach. Aber 1694 konnte der Kirchturm in seiner jetzigen Form errichtet werden.“*

 

Nach den Unterlagen der Vermessung durch schwedische Beamte um 1700 hatte Neuenkirchen damals 6 Bauernhöfe. Insgesamt lebten im Ort 21 Familien sowie Mägde und Knechte. Außer einem Pastor, einem Krüger und dem Müller gab es drei Leineweber, einen Schneider, einen Küster, einen Kuh- und einen Schweinehirten sowie zwei freie Männer. Die Anwesenheit der Leineweber und des Schneiders sind ein Indiz dafür, dass das Dorf Neuenkirchen schon damals durch die Nähe der Stadt Greifswald geprägt war.

 

 * Festschrift 725 Jahre Neuenkirchen

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Abgabenregister der Universität Greifswald von 1647 bis 1648

Quelle -https://www.digitale-bibliothek-mv.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:9-g-2264326

Neuenkirchen nach 1800 - Ein hübsches Pfarrdorf mit Bauern, die Tabak anbauen *

 

 

 

Neuenkirchen wird 1831 als Pfarrdorf beschrieben, es liegt eine halbe Stunde von Greifswald entfernt und sei gepflegt und hübsch anzusehen, so beschreibt Karl Cranz seinen ersten Eindruck vom Dorf. Neun Parzellenpächter gäbe es hier, einen Wirt und eine Mühle und ein einzelnes Stück Pachtland. Die Häuser sind gepflegt, wären meist „ganz neu gebaut“ mit Staketen-Zäunen um die Gebäude. Deren Fachwerk sei mit dunkelroter Farbe gestrichen, alles sähe adrett aus. Die Bauern machten gute Geschäfte und führten die Felder erfolgreich. Der bescheidenen Wohlstand habe zwei Gründe, zählt Cranz auf: Zum einen erwerben die Bauern preiswert Mist aus der Stadt für ihr Ackerland und zum anderen pflanzen die Bauern Tabak an, der vor Ort verkauft wird. Die Felder werden mit einer Sechs-Jahres-Fruchtfolge bestellt. Die Besitzungen sind 20 bis 340 Morgen groß. Im Ort sei ein Steindamm geplant. Außerdem gebe es kleine Haus- und Gartenbesitzer mit etwas Vieh, die als Eigentumskathner bezeichnet werden.

 

Die Bauern sind Pächter mit Verträgen von 1828 bis 1848, jeder mit 5 bis 6 Pferden, 12 bis 15 Kühen, etwas Jungvieh. Sie zahlen zwischen 45 bis 348 Reichstaler Pachtsumme im Jahr, je nach Größe des Pachtlandes, Die Universität bekommt von Neuenkirchener Pachtbauern im Jahr 1831 rund 2810 Reichstaler, das Gut Wampen (Pachtvertrag 1818 – 1836) zahlt zur gleichen Zeit 4996 Reichstaler.

Neben den Lasten durch die Universität, sind weitere Steuern von den Pächtern zu tragen für die Bauten, Kirchspielabgaben, Kopfgeld (Abgaben pro Einwohner), Dienstgeld (für erlassenen Frondienst) etc. Die Dorfbewohner haben es nicht leicht. Dieses stört den Beobachter von 1831 wenig. Im Gegenteil: Der Autor errechnete eine Steigerung der Pacht durch die Universität zwischen 1650 und 1774 um fast das Fünffache. Karl Cranz, selbst Gutsherr, der damals durch Vorpommern reiste und diese Dokumentation verfasste, nannte diese Einnahmesituation glänzend, seine Sicht war sicherlich nicht die der schwer arbeitenden Bauern.

Von einem Gutsverwalterhaus ist in dieser Darstellung keine Rede.

 

Beiträge zur Kenntnis der Provinz Neu-Vorpommern und der Insel Rügen besonders in Beziehung auf

   Landwirtschaft, Beschaffenheit und äußere Ansicht des Landes, Dr. Karl Cranz, Berlin 1834

Karten und Zeichnungen zum Akademisches Gut Neuenkirchen

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Grundriss des Gutshauses Neuenkirchen ohne Datierung  Quelle Archiv Universität Greifswald, K 3737

Dreiwohnungskate ohne Datierung, ca Mitte 19. Jh. heute in der Theodor-Körner-Straße gelegen,  Quelle Archiv Universität Greifswald, K 3737

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Karte einer Drainageanlage von Neuenkirchen. Sie zeigt, wie die Häuser des Gutes angeordnet waren. Quelle Archiv Universität Greifswald, K 3737

Pächter Akademisches Gut Neuenkirchen *

 

Mai 1929 - Dez. 1944      Pachtvertrag mit Diplomlandwirt Robert und Ehefrau Elsa Walker (geb. Mähl)

                                        Walker taucht in den Dokumenten auf, in denen es um Nothilfe in der Krise                                             auch der Landwirtschaft geht

 

15.09.1915                          Pächter Knoll erhält von der Universität ein Schreiben, in dem er aufgefor-                                             dert wird, Mängel am Gut Neuenkirchen zu Beginn der Pachtzeit anzuzeigen

 

1907 - 1911                         Pächter Juhl klagt gegen den Fiskus wegen Schadensersatz Ausbruch Maul                                           und Klauenseuche, Vorwurf der Verschleppung der Seuche durch Versuchs-                                         station in Greifswald

 

* Die aufgeführten Jahreszahlen sagen lediglich, zu welcher Zeit der Pächter in Dokumenten zufällig gefunden wurde. Die Pachtzeit ist nicht bekannt.

Die Suhrsche Mühle 

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Die Mühle nach Leist in einer Aufnahme ca. 1962 kurz bevor sie abgerissen wurde - Quelle Ch. Bernhardt

Das Akademische Gut in der Weltwirtschaftskrise

 

In der Zeit der Weltwirtschaftskrise 1928/29 wechseln in neuen Gütern der Universität die Pächter. Auch in Neuenkirchen gerät Pächter Walker in finanzielle Bedrängnis. Er kann Pachtschulden über 4850 Reichsmark nicht bezahlen und  sich keinen Dünger kaufen. Der landwirtschaftliche Ein- und Verkaufsverein Greifswald schlägt Alarm. Die laufenden Kredite, teilweise mit 12 % verzinst,  machen Walker zu schaffen. Er erhält wie die anderen in Not geratenen Universitätspächter Unterstützung. Die Gutspächter profitieren von einem Hilfsprogramm, an dem sich die Kreisparkasse, der Landrat und die Universität beteiligen. Kredite werden umgeschuldet und teilweise erlassen, die Pachtschulden werden gestundet und um eine Rechnung über 15.000 RM für Düngermittel zu begleichen, bürgt die Universität.

Die desolate Lage der Pächter bessert sich allerdings nicht wesentlich in der Weltwirtschaftskrise.

Die Kolonie von Neuenkirchen

 

Als Kolonie bezeichnen die Neuenkirchner den Teil ihres Dorfes, der Anfang des 20 Jahrhunderts bebaut wurde. Sie liegt von Greifswald kommend linker Hand von der Theodor-Körner-Straße gleich am Dorfeingang.

Ein erstes Schreiben zur Kolonie von Neuenkirchen datiert auf den 31.12.1912. Es wurde von der Pommerschen Landgesellschaft* in Stettin verfasst und richtete sich an den Kurator der Universität Greifswald. Die Universität war Eigentümerin des ins Auge gefassten Siedlungsareals. In dem Schriftstück wurde der Bau einer Kleinsiedlung von ca. 5 Hektar Größe für Postbeamte angeregt. Greifswald als aufstrebende Bürgerstadt benötigte attraktive Siedlungsangebote für Beamte und ihre Familien. Das in der Form eines Dreiecks angelegte Stück Land wurde in den folgenden Monaten an die Pommersche Landgesellschaft verkauft. Eine Ausnahme bildete das in der Spitze (Richtung Greifswald) des Dreiecks liegende Grundstück. Es gehörte weiterhin der evangelischen Kirche.

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Handskizze von 1912 zur Lage der Kolonie,

Quelle Archiv Universität Greifswald, K 3737

Das Vorhaben der Aufsiedlung stieß in Greifswald auf interessierte Ohren. Zum Beispiel fragte Geheimrat Löffler 1913 den Universitätskurator (1888 wurde er Professor für Hygiene und Geschichte der Medizin an der Königlichen Universität zu Greifswald und gründete 1910 das erste Virologische Institut auf Riems), ob es in dieser Sache voran ginge, denn sein Institutsdiener Herrmann Saß würde gern ein solches Stück Land erwerben. Herrmann Saß und Ehefrau Anna gehörten 1917 zu den ersten Siedlern in der Kolonie und zwar auf der Parzelle 6. Mit Schreiben vom 22.02.1913 stimmte der Senat und Rektor einem Verkauf an die Pommersche Landgesellschaft zu. Der Preis betrug 3.200 Mark pro Hektar. 

1914 wendete sich die Pommersche Landgesellschaft an den Kurator der Universität Greifswald. Es ging es um die Bestellung einer Hypothek über 200 000 Mark. Das Geld benötigte man für Erschließung und Bau von Häusern auf den Flächen. Die Universität wurde gebeten, der Beleihung durch die Hypothek zuzustimmen. Offenbar wurde man sich rasch handelseinig.

Auf allen 25 Grundstücken wurden Wohnhäuser, Stallgebäude und Brunnen errichtet. Bis 1920 waren alle Liegenschaften verkauft. 

Beispiel:

Grundstück Band 4, Blatt 24 des Grundbuches Neuenkirchen wird aufgeteilt und besiedelt, es wird ein Rentengut gebildet.

Ernst B. (Landbriefträger) kauft:

Wohnhaus, Stall, Brunnen Hofraum und Acker an der Pflasterstraße nach Greifswald, Fläche 22,25 ar (2225 m²), Datum: 16.05.1918, Kaufpreis: 10.300 Mark, davon 1.000 Mark bar zu zahlen und dann 372 Mark jährlich für 60 ½ Jahre lang (Quelle: Landesarchiv).

 

Die Kolonie erhielt ab 1930 viele neue Eigentümer, die Größe der Grundstücke änderte sich.  Es war für die älteren Hauseigentümer nicht einfach, einen Garten über 2200 qm zu beackern. Man suchte neue Einnahmequellen. Die Flächen wurden geteilt, da Handwerker vor allem aus Greifswald hier gern ein Wohnhaus errichten wollten mit einem dazugehörenden Garten. Schon damals beklagte der Bürgermeister von Neuenkirchen, dass er eine Zersiedelung des Dorfes befürchte.

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Handskizze von 1912 zur Lage der Kolonie,

Quelle Archiv Universität Greifswald, K 3737

Wege und Straßennamen in der Kolonie

 

Vor 1945 gab es den Damm, der wegen der vielen Hecken Grüner Weg genannt wird. Heute ist es der Fritz-Reuter-Weg. Und es gab den Mittelweg, heute Ernst-Thälmann-Platz. Die Jahnstraße war der Konsumweg und der schmale Pfad an der B 105 (aktuell entsteht dort ein Teil des Ostseeküstenradweges) hieß Jägersteig. 1960 erhielt die Kolonie die heute bekannten Straßenbezeichnungen, doch bei den älteren Bewohnern halten sich bis heute die alten Bezeichnungen.

 

 

* Pommersche Landgesellschaft: Zur Förderung der „inneren Kolonisation“ in den preußischen Ostgebieten wird in Stettin am 2. Dezember 1910 die Pommersche Landgesellschaft gegründet. Als Gesellschafter gehören ihr der preußische Staat, der Provinzialverband für Pommern und die pommersche Landesgenossenschaftskasse an. Unter „innerer Kolonisation“ wird die planmäßige Ansiedlung bäuerlicher Bevölkerung im Inland verstanden. Sie vollzieht sich unter anderem durch Urbarmachung von Ödland.

(www.wissen.de)

Schießstände in Neuenkirchen und die Waldhalle

 

Auf der Karte von 1835 (Preußisches Urmessblatt) sind die Schießstände bereits eingezeichnet, in den schwedischen Matrikelkarten von 1700 allerdings nicht. In dem Buch ‚Das Greifswalder „Seelenregister“ von 1717’ schreiben die Autoren Brauer und Knoll, dass in diesem Jahr in Greifwald ca. 2800 Einwohner lebten und zusätzlich ungefähr 1000 Angehörige des Militärs in der Stadt untergebracht waren. Also war Greifswald auch damals eine Garnisonsstadt, schlussfolgern sie. Wo es Militär gab, wurden Übungsplätze benötigt. Die Schießstände entstanden in der Folgezeit, wie die Karte von 1835 zeigt.

Fünf Schießstände liegen heute noch in dem kleinen Stück Wald zwischen Neuenkirchen und Oldenhagen versteckt. 

Aus dem 30er Jahren ist eine kleine  Geschichte überliefert: Der Hegemeister Nürnberg (Universitätsförster) kontrollierte die Schießstände regelmäßig, auch am Wochenende.  Seine großen Fußabdrücke (Schuhgröße 45 ist überliefert) waren in der frisch geharkten Erde zu sehen. Die Frauen von Neuenkirchen pflegten die Schießstände und bepflanzten den Eingangsbereich. Sie ärgerten sich regelmäßig über die großen Fußspuren und  schenkten dem Förster ein paar gehäkelte Babyschuhe und eine Karte mit dem Spruch:

Wenn du latscht mag die Rabatten,

die so schön gepflegt wir hatten,

zieh dir diese Schuhchen an

damit man’s nicht so sehen kann.

 

Das in Greifswald stationierte Militär gehörte unter anderem zur Kaserne am Nexöplatz (1891 erbaut) und zu den Kasernen in der Hans-Beimler-Straße (1934 erbaut). Die Soldaten des 2. Pommerschen Jäger-Batallions hielten ihre Schießübungen in Neuenkirchen ab. Sie marschierten von den Kasernen zu den Schießständen im Wald. Ein schmaler Fußsteig, der von der Ecke des heutigen Marktflecken 1/ Dorfstraße in Richtung Greifswald teilweise an der alten B96  entlangführte, erhielt daher seinen Namen: Jägersteig. Wer von den Soldaten den weiten Weg hinter sich gebracht hatte oder den Heimweg noch vor sich hatte, war durstig. Und so bewarb sich Schmietendorf um eine Ausschankgenehmigung in dem Waldstückchen. Die Waldhalle war der Pavillion unter den Tannen. Schmietendorf gehörte das Restaurant „Vier Jahreszeiten“ in der Achterreihen (heute Grüner Weg). Den Ausschank übernahm später Robert Schmietendorf. Er baute um 1900 die Waldhalle um und verkaufte sie 1914 an Adolf Liesegang (Quelle - Günther Kirmis).

Die Waldhalle wurde als Sommerrestaurant betrieben. Hier war es möglich, mit Kaffeepulver und selbst gebackenem Kuchen herzukommen. Im Ausschank wurde der Kaffee gebrüht, die Gäste saßen draußen in der Sommerfrische an den Gartentischen.

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Ausschnitt Preußisches Urmeßblatt 1835,

Quelle Staatsbibliothek Berlin

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Reste der Schießstände in Neuenkirchen,

Quelle - Kirchner, Foto 2021

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Postkarte zum Restaurant "Waldhalle" nach 1914

Quelle - Kirmis

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Postkarte zum Restaurant "Waldhalle" vor 1914  Quelle - Pommersches Landesmuseum

Die Räume der Waldhalle wurden 1943 bis 1945 zur Unterbringung kriegswichtiger Akten und sonstiger Gegenstände von der Universität angemietet und zum Ende des Krieges wieder an den damaligen Eigentümer Adolf Liesegang zurückgegeben. Er erklärte gegenüber der Universität, die Rote Armee habe die Waldhalle seit dem 30.04.1945 besetzt – die Tische, Stühle und das Geschirr wären zumeist abhanden gekommen.

Die waldhalle wurde auf Betreiben der Roten Armee im Sommer 1945 abgerissen.

 

Die Schießstände wurden nach 1945 zerstört, teilweise wurden die Mauersteine benutzt, um eigenen Wohnraum zu reparieren, zu schaffen oder zu erweitern. Eine Genehmigung zum Abbruch der Mauersteine besaß auch der Vater von Gerhadt Maskow. Er war gesund aus dem 2. Weltkrieg zurückgekehrt. Vom Steineklopfen kam er allerdings nicht lebend heim. Eine umkippende Mauer erschlug den jungen Mann.

 

Heute ist von den Schießständen wenig übrig. Einige der aufgeworfenen Hügel nutzen die Kinder im Winter zum Rodeln und im Sommer, um auf Fahrrädern hügelan und hügelab zu flitzen.

Kirche von Neuenkirchen

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Der Fotograf dieser Aufnahme war Christian Beerbohm. Beerbohm fotografierte um 1900 Kirchen von Stralsund bis Demmin und machte seine ersten Aufnahmen 1872 ff.

Quelle - Pommersches Landesmuseum

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Der Fotograf dieser Aufnahme war Dr. Ernst Zucker oder ein Familienmitglied. Die Aufnahme entstand in den 1930 er Jahren

Quelle - Pommersches Landesmuseum

Dr. Ernst Zunker war der Sohn eines Pfarrers in Neuenkirchen. Der Pfarrer fiel im ersten Weltkrieg in Frankreich. Die Mutter mit den drei Kindern blieb allein und wohnte im Pfarrwitwenhaus. Es steht heute noch hinter dem Sportstudio und gehört zum Pfarrensemble. 

In der alten Pastorscheune am rechten Bildrand wurden zur DDR-Zeit einige Jahre Mastbullen und Mastschweine der LPG gehalten. Der heutige Parkplatz des Bestattungshauses Pietsch war damals ein nach Jauche Stinkender Misthaufen. Mittig im Hintergrund ist das alte Fachwerk-Pfarrhaus zu erkennen.

Mai 1945 - der Krieg ist vorbei - die Rote Armee ist da

 

Über die  Monate im Jahr 1945 ist bislang wenig überliefert. Christa Bernhardt war damals ein kleines braves Mädchen. Sie erzählt, woran sie sich selbst erinnert und was von  Erinnerungen ihrer Mutter im Gedächtnis blieb.

 

Dazu gehört zum Beispiel die Nacht, als Swinemünde am 12.03.1945 bombardiert wurde. Der ganze Himmel habe rot geleuchtet, so Christa Bernhardt.

Dass Familie Bernhardt heute noch lebt, ist ein glücklicher Umstand. Mit dem nahenden Kriegsende gab es die Möglichkeit, auf eines der Flüchtlingsschiffe zu gehen und diesen Teil Deutschlands zu verlassen. Anna Katrin Bernhardt, die Mutter von Christa und Karla Bernhardt weigerte sich, dieses Angebot anzunehmen. Sie mochte Haus und Grundstück nicht verlassen. Das Flüchtlingsschiff sank wenig später voll beladen in der Ostsee. Welches es genau war, ist nicht mehr in Erinnerung geblieben.

 

Kurz vor dem offiziellen Ende des zweiten Weltkrieges hatte Greifswald anders als Anklam am 30.04.1945 kapituliert und damit auch einige umliegende Dörfer vor kriegerischen Zerstörungen bewahrt. Herr Heuer ging in den letzten Tages des April im Dorf von Haus zu Haus und bat darum, weiße Laken aus den Fenstern zu hängen, Neuenkirchen würde kampflos übergeben.

 

Mit der Roten Armee wurden Tatsachen und neue Umgangsformen geschaffen. In Neuenkirchen musste die gesamte Bevölkerung ihre Häuser verlassen. Geduldet wurden nur die ganz alten Bewohner. Viele Familien versuchten, bei Freunden in Greifswald unterzukommen. Es war sehr schwierig. Christa Bernhardt erinnert sich, dass in ihrem alten Elternhaus die Mutter Anna-Katrin Bernhardt nur mit Hilfe eines Passierscheines und nur zum Spargelstechen nach Neuenkirchen kommen durfte. Ihre Großmutter, die Frau des Hegemeisters, hütete in diesen Tagen das alte mit Schilf gedeckte Heim und durfte dort vorerst bleiben. Ihre Familie hatte Glück, in der zweiten Haushälfte quartierte sich ein Offizier ein, dies sorgte für einige Ruhe. Wenn Christa mit ihrer Schwester und der Mutter morgens zur Gartenarbeit auf den Hof kamen, begrüßte die kleine Christa den Russen mit einem freundlichen: „Guten Morgen, Herr Major.“ Die Mutter des Majors war deutsche Jüdin. Ab und an gab es ein paar Kekse für Christa und Karla Bernhardt. In den eigenen vier Wänden wohnte ein russischer Koch. Dessen große Tasse gibt es heute noch in ihrem Haushalt. Im zweigeschossigen Haus gegenüber, wohnte unter anderem Familie Düwell und Halliger. Der war nach Meinung der Russen ein Kapitalist, weil das Wohnhaus ein modernerer Bau war. Hier befand sich vorübergehend das Lazarett von Neuenkirchen. 

Die russische Armee war unter anderem mit vielen Pferdewagen angerückt.  Die Tiere bekamen ebenfalls ein Quartier – den Saal der Gaststätte „Vier Jahreszeiten“ (Gaststätte Block) in der Achterreihe (heute Grüner Weg).

An einem Morgen war es auf dem Hof der Bernhardts brenzlig. Die Mutter wollte gerade den Spargel stechen, da hallten Gewehrschüsse durch die Luft. Sie galten der Mutter. Die Russen dachten wohl, sie wollte verborgene Waffen ausgraben. Wenn man an die Splittergruppen der Deutschen Armee denkt und die Erfahrung, die Soldaten der russische Armee kurz zuvor in Anklam gemacht hatten, wird diese Nervosität verständlich. Aber hier wurde keiner verletzt, die Situation auf dem Hof entspannte sich.

 

Der Tag der offiziellen Kapitulation am 08. Mai 1945 war wieder besonders anstrengend. Der russische Major verfügte, dass an diesem Abend und in der Nacht zur eigenen Sicherheit niemand von den Deutschen im Dorf bleiben dürfe, denn es würde ausgiebig gefeiert werden und es würde viel Alkohol fließen. Wann man in die eigenen Wohnungen zurückkehren könnte, war ungewiss.

 

Dann, einige Zeit später, war es morgens ganz still in Neuenkirchen. Die Division war nicht mehr da, die Häuser leer.  Schnell sprach sich der neue Umstand in Greifswald herum und die meisten Bewohner kehrten in ihre Häuser zurück. In den ersten Nächten nach dem 8. Mai 1945 rückten die Frauen zusammen und schliefen zum Beispiel bei Bernhardts gemeinsam. 

 Im Sommer 1945 gab es marodierende Truppen, die auch vor Waffengewalt nicht zurück schreckten. Ein verletzter russischer Soldat wurde von der Frau des damaligen Pastors Händler versorgt, sie war Krankenschwester. Der Russe wohnte anschließend bei Bernhardts. 

 

Im Sommer 1945 kamen dann immer mehr Flüchtlinge in Neuenkirchen an.

Spargel- und Erdbeerfelder in Neuenkirchen und eine moderne Kartoffelsortiermaschine

 

Das lange feine Frühlingsgemüse wurde anfangs auf 4 Hektar, später auf 7 Hektar gezogen. Eigentlich war es eine Notlösung, erinnert sich Heinrich Zölder, der als Abteilungsleiter der LPG  in der Abteilung Gartenbau seit 1977 in Neuenkirchen arbeitete. Der Boden war an den Stellen so sandig und mager, dass wenig wuchs. So wurde um 1970 die Idee geboren, den begehrten Spargel anzubauen. Allerdings landeten die feinen Stangen niemals in der LPG-Küche. Selten konnten die Spargelstecherinnern  Spargelbruch kaufen und mit nach Hause nehmen. Ob mutwillig Bruch produziert wurde, ist nicht überliefert. Erzählt wird, die Gummistiefel hatten genug Platz, nicht nur für die Füße der Träger. Die Ware wurde anfangs in einem einfachen Schuppen sortiert und von einem Barkas-Fahrer der OGS Greifswald abgeholt. 

Zum Verständnis, in der DDR gab es zum einen das VEB Kombinat Großhandel WtB (Waren des täglichen Bedarfs) und das VEB Kombinat Großhandel OGS (Obst, Gemüse und Speisekartoffeln). Über diese Einrichtungen wurden die Produkte verteilt, weniges kam in den Konsumverkaufsstellen im Norden an. Das Meiste landete in Berlin.

Mitte der 1980er Jahre wurden der Spargel in der neuen modernen Kartoffelsortierhalle handverlesen. Diese Halle entstand, um Kartoffeln für den Export in die Sowjetunion und nach Kuba aufzubereiten.  Stolz erinnern sich noch heute die Landwirte von damals an die moderne Steinwurf-Kartoffelsortiermaschine. In dieser Zeit wurde übrigens auch der Hafen von Vierow angelegt, unzählige Schiffe mit Kartoffeln starteten von hier in die Ferne.

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Die rot markierte Flächen zeigen ungefähr an, wo der Spargel wuchs.

Bildquelle: Google Maps

Die Erdbeerfelder gab es seit 1970; diese waren größer als die Spargelfelder. Die Angaben schwanken zwischen 30 und 40 Hektar. Die leckeren Erdbeeren wurden auch von Schülern der Umgebung gepflückt. Es war eine gute Gelegenheit, überhaupt als junger Mensch Geld zu verdienen. Ich selbst gehörte zu diesen Erdbeerpflückerinnen und erinnere mich gut daran, dass ich nachts von unendlichen Reihen mit Erdbeeren träumte, die gepflückt werden müssen. Pro Korb bekam ich eine Mark. Ich erntete an einem Arbeitstag acht Körbe voll.

Um eine ertragreiche Ernte zu bekommen, mussten die Felder bewässert werden. Das wiederum erforderte umfangreiche Vorarbeiten.  Es wurden Brunnen gebohrt, Leitungen verlegt, sogar bis nach Wampen. In Neuenkirchen wurde ein großes Auffangbecken errichtet. Da die Pflanzen nicht mit dem eiskalten Brunnenwasser  bewässert werden durften, wurde es in dem runden Bassin zwischengelagert, erwärmte sich und wurde dann verbraucht. Jenseits der Stralsunder Chaussee lagen ebenfalls Erdbeerfelder. Da der Kohlgraben noch weitgehend verrohrt war, konnte nur Wasser für die Erdbeeren gewonnen werden, in dem man ein kleines Wehr jenseits der Chaussee einbaute. Teile von der Stauanlage sind heute noch zu erkennen.

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Die rot markierte Fläche zeigt in beiden Bildern ungefähr an, wo sich die Erdbeerfelder von Neuenkirchen befunden haben. Bildquelle: Google Maps

Feuerwehr in Neuenkirchen*

Eine Handskizze von 1913 zeigt erstmals  (Archiv Universität Greifswald, Laufzeit 1899 bis 1920, K 3737) die Lage eines Spritzenhauses in Neuenkirchen. Eingebettet zwischen Universitätsland, dem Nachbarn Ketz (Tanzlokal) und einem Teich liegt es an der heutigen Theodor-Körner-Straße. Wann der Bau realisiert wurde, ist bislang unklar. 

Am 14. Mai 1926 wurde die Neuenkirchener Feuerwehr als Verein gegründet. An das letzte, inzwischen verstorbene Gründungsmitglied Richard Meier können sich viele ältere Kameraden noch heute (2021) erinnern. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts befand sich ein Spritzenwagen rechts neben dem Gutshaus, ein Gefährt mit Wasserbehälter und Handpumpe für ein Pferdegespann. Zusätzlich gab es bei Bauer Walter Suhr (heute Areal Physiotherapie gegenüber Einmündung Grüner Weg) einen Unterstand für Pferdegespann mit Spritzenwagen. 

Auf einem Bild von Gerhard Maskow ist zufällig im Hintergrund der Rohbau des kleinen Feuerwehrhauses in der Theodor-Körner-Straße abgebildet. Die Fotografie wurde 1961 aufgenommen, das Jahr, in dem Gerhard Maskow sein Haus erwarb.

In Neuenkirchen stand das Feuerwehrgebäude folglich ab etwa 1961 neben dem Löschteich in der Theodor-Körner-Straße.  Das einfache Haus wurde damals im wahrsten Sinne des Wortes zusammen geheimst, erinnert sich Walter Müns.  Dazu gehörte unter Umständen auch, nächtens Baumaterial zu „organisieren“. Alles wurde vor Ort gelagert und am Wochenende in freiwilliger Arbeit verbaut.

Walther Müns war 1975 gerade 18 Jahre alt,  als er gemeinsam mit drei weiteren Kameraden der Neuenkirchener Feuerwehr beitrat. Die Feuerwehr war damals technisch nicht gut aufgestellt. Sie besaß nur einen TSA, einen Tragkraftspritzenanhänger. Auf diesem befanden sich eine Spritze samt Pumpe und  Löschgerät. Die Zugmaschine konnte ein Trecker sein. Nach Feierabend wurde der aktuell beste Traktor, wie z.B. der ZT 300 vor den Anhänger gestellt. So konnte man bei Bedarf rasch ausrücken. Damals führte diese Feuerwehr ein bescheidenes Dasein. Sie zählte circa zehn Mitglieder.

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Handskizze, Lageplan Spritzenhaus von 1913, Quelle Archiv Universität Greifswald, K 3737.

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Der Rohbauch mit der großen Tür im Bildhintergrund rechts steht an der Theodor-Körner-Straße. Herr Maskow machte 1961 diese Aufnahme.

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Auch wenn das alten Feuerwehrhaus sehr bescheiden war, die Ausrüstung wurde immer besser. Foto von 1995.

Erst in den siebziger Jahren änderte sich dies. Hartmut Kriemann wurde Feuerwehrleiter. Dazu zog er von Greifswald nach Neuenkirchen und schaffte es, zahlreiche Einwohner, auch Freunde, Familienmitglieder und Bekannte für die Feuerwehr zu begeistern. Die Mitgliederzahl wuchs, auch weil viele Ehefrauen mit zur Truppe gehörten.

An folgende Wehrleiter erinnert sich Walter Müns: Heinz Ehmke, danach Walther Erdmann, dann Fritz Marien später Hartmut Kriemann, Heiko Burgas. Heute ist Andre Blonsky

Wehrführer. 

1997 zog die Feuerwehr in ein modernes Gebäude in der Wampener Straße um. Sie ist neben ihrer originären Funktion Stütze des kulturellen Lebens in der Gemeinde. Die Neuenkirchener Wehr organisiert Osterfeuer, Tag der offenen Tür und Tannenbaumverbrennen, hilft bei Dorffesten und Sportevents  wie dem Dorflauf und begeistert damit Groß und Klein.

 

* Gespräch mit Walter Müns und Eberhard Michalack